Langenselbolder Münzfund wird in Berlin wissenschaftlich bearbeitet und digitalisiert

Langenselbolder Münzfund wird in Berlin wissenschaftlich bearbeitet und digitalisiert
Langenselbolder Münzfund wird in Berlin wissenschaftlich bearbeitet und digitalisiert | Bild: © Städtische Museen Hanau, Nina A. Schneider

Die Städtischen Museen Hanau haben einen Teil des sogenannten Langenselbolder Münzschatzes an das Münzkabinett der Staatlichen Museen in Berlin übergeben. Dort sollen die Stücke wissenschaftlich untersucht, fotografiert und digital erfasst werden. Insgesamt betrifft die Maßnahme 491 Münzen; die digitalen Daten und Aufnahmen sollen voraussichtlich 2027 online zugänglich sein.

Fund und historische Einordnung

Der Münzschatz wurde im Juli 1958 beim Ausheben eines Kabelgrabens auf dem Marktplatz von Langenselbold entdeckt. Die Stücke lagen in einem kleinen Keramiktöpfchen, vermutlich um 1120 verborgen. Es handelt sich überwiegend um Pfennige beziehungsweise Denare, die größtenteils in der Münzstätte des Erzbistums Mainz geprägt wurden. Unter den Prägungen sind Münzen von Kaiser Heinrich IV und Heinrich V sowie von den Erzbischöfen Ruthard und Adalbert I zu erkennen.

Die Bedeutung des Fundes war zunächst nicht unmittelbar erkennbar. Durch das Engagement des damaligen Kulturamtsleiters und Bodendenkmalpflegers Dr. Karl Dielmann gelang es, einen Großteil der Münzen für die wissenschaftliche Bearbeitung zu sichern. Nach einer Sichtung und Prüfung kamen die Stücke zunächst zur Hanauer Stadtkasse und später in die Bestände der Städtischen Museen Hanau. Ein unbestimmter Anteil des Fundes fiel in private Hände. 1960 erschien eine erste Beschreibung des Fundes in den Hanauer Geschichtsblättern.

Regionale Präsentation und Erforschung

Die lokale Geschichtsvereinigung zeigte seit Langem Interesse an dem Schatz. Der Verein für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold 1972 e.V. beobachte die Forschungen mit großem Interesse, heißt es aus dem Kreis der Heimatforscher. Aus dem Vereinsengagement entstand 1975 das Heimatmuseum Langenselbold, das seit 1983 in der ehemaligen Isenburgischen Zehntscheune untergebracht ist. Dort sind heute Repliken der Münzen in der Dauerausstellung zu sehen.

Wissenschaftliche Bearbeitung und Digitalisierung

Für die jetzt vereinbarte Untersuchung übernehmen Kustos Dr. Patrick Breternitz und der Münzkabinett-Mitarbeiter Arthur Hampel die wissenschaftliche Bearbeitung, Fotografie und Digitalisierung der 491 Münzen. Die Übergabe an das Münzkabinett erfolgte durch den Leiter der Städtischen Museen Hanau, Dr. Markus Häfner, und Sammlungsleiterin Beate Alice Hofmann.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky begrüßte die Kooperation und betonte, dass die Städtischen Museen in ihren Depots bedeutende Funde bewahrten. Er zeigte sich erfreut, dass das Münzkabinett die weitere Erforschung und Digitalisierung übernehme. Dr. Markus Häfner erklärte, man danke der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Zusammenarbeit und rechnet damit, die erarbeiteten Daten und Fotografien bis 2027 online bereitzustellen.

Die Übergabe und die geplante Veröffentlichung sollen die Zugänglichkeit der Sammlung für Forschende und Interessierte verbessern und neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Numismatik ermöglichen.

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