
Kinderärztinnen und Kinderärzte in Hanau sowie der Bürgermeister der Stadt haben in einem offenen Schreiben an die Bundesgesundheitsministerin und einen Bundestagsabgeordneten vor einer Verschlechterung der ambulanten pädiatrischen Versorgung gewarnt. Hintergrund ist der Entwurf des GKV Beitragsstabilisierungsgesetzes, der nach Ansicht der Verfasser insbesondere personalintensive Praxen überproportional belaste.
Angespannte Versorgungslage vor Ort
Die Praxisteams in Hanau versorgen nach eigenen Angaben rund 8 000 Kinder und Jugendliche pro Quartal. Gleichzeitig gebe es bereits jetzt Aufnahmestopps: etwa 30 Familien pro Woche erhielten Absagen, wenn sie sich als Neupatienten anmeldeten. Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung zuletzt einen zusätzlichen Sitz abgelehnt hatte, wurde der Planungsbereich nach Angaben der Fachärzte vor kurzem um drei weitere Sitze erweitert. Das entspricht einer Verdopplung der bisher vorhandenen Kinderarztsitze und zeige das bestehende Versorgungsdefizit.
Bereits heute seien Termine für Impfungen, Vorsorgen und die Abklärung chronischer Beschwerden teilweise verzögert oder nicht verfügbar. Die Ärzteschaft verweist zudem auf besondere Herausforderungen in Hanau: ein hoher Anteil an Familien mit Migrationshintergrund und teils begrenzte Deutschkenntnisse führen zu zeitintensiver Betreuung. Gleichzeitig steigt der Beratungsbedarf etwa in Fragen der Entwicklungspädagogik, Ernährung und Sozialpädiatrie.
Kritik am Gesetzentwurf
Die Unterzeichner kritisieren, dass der Gesetzentwurf eine Rücknahme der bisherigen Entbudgetierung durch Mechanismen wie Fixkostendegression und eine Deckelung extrabudgetärer Vergütungen vorsehe. Konkret beklagen sie eine geplante Begrenzung der extrabudgetären Gesamtvergütung auf die Entwicklung der Grundlohnsumme. In der extrabudgetären Vergütung sind nach Darstellung der Praxen vor allem präventive Leistungen enthalten, darunter Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen.
Nach dem Entwurf sollen neue Präventionsleistungen, etwa die geplante Kindervorsorge U10 im Grundschulalter, nach zwei Jahren in diese Deckelung einbezogen werden. Ferner sieht der Entwurf eine Begrenzung möglicher Honorarsteigerungen auf die Grundlohnsumme vor, in den ersten drei Jahren sogar abzüglich eines Prozentpunkts. Die Ärzteschaften betonen, dass in pädiatrischen Praxen Personal- und Flächenbedarf pro Patient vergleichsweise hoch seien, während Personal-, Miet- und Energiekosten seit Jahren stärker steigen als die Grundlohnsumme.
Forderungen und mögliche Folgen
Aus diesen Gründen fordern die Unterzeichner, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen explizit von der Deckelung auszunehmen und in die Ausnahmeliste des Paragrafen 87 d aufzunehmen. Zudem verlangen sie, die Entbudgetierung von Hausärzten und Kinderärzten nicht durch Abstaffelungen wie die Fixkostendegression zurückzunehmen.
Die Ärzte und der Bürgermeister warnen, eine Rückkehr zur Budgetierung könne zu reduzierten Sprechstundenzeiten, längeren Wartezeiten und einer Verschlechterung der Versorgungsqualität führen. Dadurch werde es noch schwieriger, vakante Sitze zu besetzen. Die Verfasser appellieren an die Adressaten, sich im parlamentarischen Verfahren für Änderungen einzusetzen, und bieten Gespräche an.
Unterzeichnet ist das Schreiben von Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri sowie mehreren niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten aus Hanau.
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